Valie Export “Restringierter Code” Archiv

Restringierter Code, 1979
Performance, Video – Performance

Technik/Material:
„Material: Mensch in Abendkleidung in einem Käfig aus mittels einer Batterie elektrisch geladenen Drähten, Kleinkind in Gitterbett, Vogel in durchsichtigem Glaskäfig, 7 Monate alter Hund in durchsichtigem Glaskäfig, Hamster in durchsichtigem Glaskäfig, Mahlzeit für den Menschen, Tisch, Sessel, Besteck, Glas, Wein, Futter für die Tiere.
2 Videokameras, 6 Monitore, Switcher, Mikrofon, Lautsprecher.“ (V.E., Archiv)

Aufführungen:
– Performance ’79, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München; (02.02.-02.18), Performance 02.08.1979); Fotos: Michael Schuster Life-Kamera (Video): Hermann Hendrich, Peter Weibel
– Performance: journées interdisciplinaires sur l‘art corporel et performance, centre national d‘art et de culture georges pompidou, Paris/musée d‘art moderne/centre d‘art et communication de buenos aires, (Performance: 1.18.79)

Beschreibung:
Der Körper als Ausdrucksmittel ist ein restringierter Code, weil die Gesellschaft über den Körper Kontrolle über das Individuum ausübt, Körperkontrolle demnach Sozialkontrolle wird. Die Unterscheidung zwischen tierischem Körperausdruck und menschlichem Körperausdruck ist also ein ideologisches Axiom der Sozialkontrolle. Das Abgehen von den sozial sanktionierten Körperbewegungen wird demnach auch bestraft, hier aber liegt ein Ozean vor uns. Die Körpersprache erhebt sich zum Körpergesang, wenn die so genannten natürlichen Körpergeräusche, die ständig zu unterdrücken wir ja von der Gesellschaft angehalten werden, auch als menschlich deklariert werden. Was ist Naturkörper und was Kulturkörper, was ist kulturelle Expression und was animalische? Gibt es überhaupt ein natürliches Körperverhalten? Trance, Ekstase – wer und was drückt sich hier aus, welcher Körper? Zwischen formalem und informellem Körperverhalten, zwischen diesen gestellten Fragen bewegen sich die Ausdrucksbewegungen meines Stückes RESTRINGIERTER CODE.

Teil
Das Stück beginnt mit dem Essen der Mahlzeit und der Fütterung der Tiere. Das Kleinkind befindet sich in einem Gitterbett, die Tiere in verschiedenen Käfigen voneinander getrennt, ich in einem großen Drahtkäfig. Nach einiger Zeit entsprechen meine Tisch und Esssitten nicht mehr den herkömmlichen Verhalten, Ich beginne mit den Fingern zu essen, zu rülpsen ect.

Teil
Ich versuche, die Bewegungen des Kindes nachzuahmen. Ich mache die Bewegungen und das Körperverhalten der Tiere nach. Das Hüpfen und Zwitschern des Vogels, die schnellen Bewegungen, das Laufen des Hamsters, das Bellen und Winseln des Hundes, das Kauern der Tiere im Käfig, das Krabbeln und Lallen des Kindes. Ich wechsle in der Nachahmung von einem Tier zum anderen, zum Kleinkind ect. Die Bewegungen werden immer übertriebener bis zur ständigen Wiederholung einer signifikaten Bewegung. Es tritt langsam ein Bewegungsrauschzustand ein.

Teil
Im dritten Teil des Stückes werden meine Körperbewegungen immer ekstatischer, bis ich den Zustand der Trance erreicht habe. Die Videobilder von mir, dem Kind und der Tiere werden mit den 2 Videokameras aufgenommen und sind mittels eines Switchers überblendet auf den Monitoren zu sehen. K1 ist immer auf mich gerichtet, K2 nimmt abwechseln das Kind und die Tiere im richtigen Verhältnis der Körpergröße auf.
(Archiv VALIE EXPORT)

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